Men's Health Interview mit Hie Kim

Im April habe ich ein Interview mit Men’s Health geführt. Es ging um das Kick-Off für die nächste Aufnahmerunde des ASICS Trainingsquad. Demnach sind hier viele Fragen natürlich auf ASICS und die Leser der Men’s Health zugeschnitten. Da Interviews generell stark gekürzt werden, habe ich die Fragen recht ausführlich beantwortet um dem Redakteur viel Platz zum schneiden zu lassen. Für Fragen bin ich natürlich immer in der Kommentar Sektion zu haben.

1. Allgemeine Fragen

1. Geburtsdatum – 17.03.1986
2. Wohnort – Frankfurt am Main seit 2009, geb. Hamburg
3. Beruf – Yogalehrer
4. Welchen Sport betreibst du? Wie lange schon?

In der Grundschule haben mich meine deutschen Mitschüler immer gefragt, ob ich Kung-Fu oder Karate könne. Nachdem ich ständig traurig verneinen musste, hat mein Vater mich zum Nationalsport Taekwondo gebracht.

Yoga betreibe ich seit 2009 Hauptberuflich.

2. Wie bist du zu deinem Sport gekommen?

Während meiner jugendlichen Kampfkunstzeit habe ich regelmäßig meinen sportlichen Horizont erweitert: Fitness, Kung-Fu aber auch Yoga waren ein Teil davon. Als Vorzeige- und Meisterschüler kam früh die Übernahme des Aufwärm- und Kindertrainings dazu. Schon damals hat sich Lehren nie wie Arbeit, sondern wie ein Privileg angefühlt. Mit 20 kam ich dann in das Taepoong (koreanisch für Taifun) Demo Team. Ein ambitioniertes Team von Taekwondo Kampfkünstlern, das Taekwondo in extremen Ausführungen demonstriert. Dort habe ich meinen jetzigen Mentor und einflussreichen Yogalehrer Young-Ho Kim (@insideyoga www.tintyoga.de) kennengelernt. Durch unsere ähnliche Vergangenheit und dem daraus entstehenden Angebot mit ihm zusammen zu arbeiten, habe ich 2009 alles auf eine Karte gesetzt und bin von Hamburg nach Frankfurt gezogen. 8 Jahre später bezeichnen mich Andere als rising Star der Yogaszene da ich, wenn ich nicht meine Familie in Hamburg besuche, jedes Wochenende durch Europa reise und Yogalehrer ausbilde oder Workshops gebe.

3. Besitzt du zusätzliche sportliche Qualifikationen?

Ich habe unzählige Yoga Workshops, Fortbildungen und Fitness- und Massageseminare absolviert.

Erfahrungen im ASICS Training Squad (ATS)

1. Welche Erfahrungen hast du im ATS im vergangenen Jahr machen können?

Als etablierter Yogalehrer bin ich um ehrlich zu sein per Zufall auf die Bewerbung für das ASICS Trainingsquad gekommen. Da die gesamte Markenphilosphie von ASICS kongruent mit meiner Yoga Philosophie ist (ASICS bedeutet eine gesunde Seele in einem gesunden Körper, form follows function, etc.), war es die logische Schlussfolgerung, mich für das ASICS Trainingsquad zu bewerben. Viele unvergessliche Events später kann ich sagen, dass eine meiner besten Entscheidungen in 2016 die unter Zeitdruck ausgefüllte Bewerbung für das ATS zwischen meinen Yogakursen war.

2. Wie würdest du das ATS beschreiben? Wofür steht es?

Das ASICS Training Squad steht für die gesamte Sportwelt außerhalb des Laufens (Dafür gibt es die ASICS Frontrunner). Wir repräsentieren dabei keine einzelnen Sportarten wie Fitness oder Yoga, sondern den Menschen dahinter. Wir stehen für alle diejenigen, die durch ihr Training, wie immer es auch ausschauen mag, zur besten Version ihrer selbst streben. Das Squad besteht somit aus Individuen, die sich schon besonders lange und/oder besonders erfolgreich transformieren. Als Paradebeispiel kann ich euch gerne Michael (@fettwech) und Sebastian (@ropeletics) ans Herz legen. Kein Ego, kein Geltungsbedürfnis, einfach zwei Hammer Persönlichkeiten die es wahnsinnig auf den Kasten haben und wahnsinnig lieb sind.

3. Was erwartet jemanden darin?

Bei uns erwartet dich die sportlich diverseste Gruppe die Deutschland zu bieten hat. Du kannst dich auf inspirierende Sporteinheiten gefasst machen die von und mit Top Leuten besetzt sind. Du wirst aber auch auf viele neugierige Squaddies treffen, die wissen wollen „was Du so machst“. Tatsächlich ist eine der schönsten Zeiten die gemeinsamen Mahlzeiten die man einnimmt, da man Zeit hat mit den ganzen coolen Leuten zu connecten. In Zeiten wo gerade den jugendlichen unserer Gesellschaft die Idole fehlen, bin ich sehr froh einer Plattform anzugehören, die anderen ein Vorbild ist.

4. Was stellt es für dich dar?

Für mich persönlich ist das ASICS Trainingsquad eine kunterbunte Familie geworden, die mich immer mal wieder aus meiner Yogawelt rausholt. Dabei sind einige für mich wie jüngere Geschwister, denen ich Tipps gebe, die ich damals selber gebraucht hätte. Andere sind wie Zwillingsgeschwister denen ich jedes Geheimnis von mir preisgebe. Und es gibt Squaddis die sind wie ältere Geschwister, die ich selber um Rat frage, wenn es um Dinge geht, in denen meine eigene Wahrnehmung von einem Nebel der Unentschlossenheit bedeckt ist.

3.  Sportspezifische Fragen

1. Was ist das Besondere an dem Yoga-Stil, den du praktizierst?

Auf der Oberfläche kratzend kann man sagen, dass der Yoga Stil Inside Yoga den ich praktiziere vom gleichnamigen Yoga Studio aus Frankfurt am Main stammt. Ein spirituell am boden gebliebener, intelligent aufgebauter Yogastil, bei dem es weder Räucherstäbchen noch OM singen gibt.

Tiefgehender kann ich euch verraten, dass mein Mentor und Stilbegründer Youngho Kim und Ich unsere Wurzeln in Korea und im Kampfsport Taekwondo haben. Die Werte Respekt, Disziplin und Ehrlichkeit spiegeln sich in diesem Yogastil wieder, wie die morgendliche Visage im Badezimmerspiegel: ungeschminkt und echt. Es gibt keinen Tag der vergeht, an dem wir nicht über unseren Unterricht nachdenken: Wie kann ich diese Asana (Yoga-Haltung) besser korrigieren; wie kann ich diesen Gedanken klarer kommunizieren, war der Badezimmerspiegelvergleich jetzt angebracht oder nicht und so weiter und so fort. Yoga zu unterrichten ist für mich performing Arts. Es ist ein ganz konkretes Handwerk, in das du zigtausende Stunden investieren musst, um auf ein meisterhaftes Level zu kommen.

2. Was für eine Bedeutung hat Yoga und Sport allgemein für dich und für dein Leben?

Sport hat praktisch mein Leben gerettet. Als kleiner Junge war ich durch extreme Neurodermitis und Asthma ein einziges leidendes Elend. Das Hauptgefühl, dass ich jeden Tag gespürt habe, war der Schmerz den ich durch nächtlich aufgekratze Haut gespürt habe. Taekwondo hat mir die Orientierung gegeben, die ich als 8 jähriger brauchte. Freude an der Bewegung war nicht selbstverständlich, sondern ein Privileg was mir am Nachmittag zustand, nachdem die Wunden von der Nacht getrocknet sind. Die Bundesjugendspiele sind ein gutes Beispiel: Von Teilnehmer- zu Sieger- zu Ehrenurkunde habe ich mich Jahr für Jahr gesteigert, da das Taekwondo mir Tag für Tag neue Motivation und Disziplin gegeben hat.

Bildung und somit auch der Beruf des Lehrers ist In Korea sehr hoch angesehen. Das respektlose Verhalten meiner Mitschüler gegenüber meinen Schullehrern war meiner Meinung nach inakzeptabel. Als Taekwondo Meister konnte ich mich langfristig nicht sehen, da mich Erwachsenenbildung mich schon immer mehr fasziniert hat, als die Leistungsgetriebene Jugend- und Kinderarbeit.

Also kann ich behaupten, dass ich kein Yogi bin, der nach seiner ersten Yogastunde gesagt hat: “Das ist es!” sondern Jemand bin, der den Beruf des Lehrers als ehrenhaftes Privileg sieht und dessen Methode Yoga ist. Yoga (=bedeutet Verbindung)  ist die Kunst gekonnt zwischen den Extremen zu leben und dabei eine Starke Verbindung zu sich selbst und zum Leben aufzubauen. Und das ist eine Mission die ich guten Gewissens für den Rest meines Lebens vermitteln kann.

3. Was ist deine Lieblings-Yogaübung?

Ich selber übe gerne an einarmigen Armbalancen, da Herausforderungen mir absolut viel Spaß bringen und ich total im Moment bin, da ich jeden Moment umfallen könnte.

Meine Lieblingsübung für Menschen die keinen Zugang zum Yoga haben, sind halbe Sonnengrüße, da man wirklich die Verbindung zwischen Atmung und Körper wahrnehmen kann, ohne durch anfängliche, überflüssige Bewegungen abgelenkt ist. Im Yoga atmet man typischerweise so 4 Sek. pro Bewegung ein und aus. Wenn du jede Bewegung in langsamen 7 Sekunden ausführen kannst,  wirst du den Effekt auf deinen Körper und Geist schon nach 20 Atemzügen also 5 Minuten spüren.

Halber Sonnengruß im Stehen.

4. Welche ist die härteste Yogaübung oder der härteste Yogaflow für dich?

Die härtesten Yoga-Übungen für mich, sind natürlich nicht die Übungen die ich mag, sondern die Übungen, die ich brauche. Ich schätze meine Freiheit zum Beispiel sehr, weswegen gebundene und somit einschränkende Haltungen etwas sind, was meinem Geist gut tut, da ich gerne keinen Rahmen für meine Gedanken setze. (Übungen in denen sich die Hände hinter dem Rücken oder um ein Bein festhalten).

Ein gebundenes Dreieck ist zum Beispiel eine Übung die ich mir aber auch uns Männern ans Herz lege, da wir oft an unseren Beinrückseiten verkürzt sind.

5. Welche Yogaübungen würdest du jedem ans Herz legen?

Yoga ist so unterschiedlich wie die Kaffeevariationen dieser Welt. Deshalb würde ich dir eine Yogastunde empfehlen die deinem Kaffeegeschmack nahe kommt. Nicht zu jedem passen Stunden die extrem ruhig sind. Deshalb ist Yoga auch eine Sache, der ich unbedingt eine zweite Chance geben würde, falls die erste nicht nach deinem Geschmack war.

6. Was würdest du den Kerlen sagen, die Yoga als Sportart eher belächeln?

Es gibt sicherlich zwei Gründe weswegen Yoga belächelt wird. Entweder liegt es daran, dass diese Kerle Yoga als stiefmütterlich bezeichnen oder aber einfach sehr fähige Menschen sind, die es sich leisten können Yoga zu belächeln. Ob du zur einen oder anderen Sorte gehörst, kannst du entscheiden, nachdem du diese kleine Demo von mir gesehen hast. Unabhängig davon, würde ich mich freuen, dich mal in meiner Stunde begrüßen zu dürfen. Denn am Anfang und am Ende einer Stunde sagt man Namasté und das bedeutet so viel wie: Das Licht in mir erkennt das Licht in dir.